Gefälschte Spielwaren im Internet: Zunahme von Fälschungen – Lösungen

Von 18. Februar 2019Produktpiraterie

Für die Eltern war es ein Alptraum, für das Kind eine lebensbedrohliche Situation: Der Vierjährige bekam ein beliebtes Magnetspielzeug geschenkt, das Kinder zum Bauen und Gestalten anregen soll. Während des Spiels brach das Spielzeug auseinander und die Magnete fielen heraus. Der Junge verschluckte mehr als ein Dutzend davon. Mit dem Original wäre das wahrscheinlich nicht passiert, doch es handelte sich um eine billige Fälschung, die die strengen US-Sicherheitsstandards für Spielzeuge nicht erfüllt. Das Plagiat wurde von einem Drittanbieter über einen bekannten Online-Marktplatz verkauft.

Tatsächlich birgt der Verkauf von gefälschtem Spielzeug über Online-Marktplätze erhebliche Sicherheits- und Gesundheitsrisiken für den Verbraucher. In ihrem neuen Whitepaper „The Real Threat of Fake Toys: The Increase of Knockoff and Counterfeit Toys Sold Online & How to Fight Back“ beschreibt die Toy Association drei Faktoren, die für die Zunahme von gefälschtem Spielzeug im Onlinehandel maßgeblich verantwortlich sind:

  1. Die Online-Marktplätze überprüfen weder die Verkäufer noch die online verkauften Produkte hinreichend.
  2. Die wenigsten Markeninhaber besitzen ausreichend Ressourcen, um selbst gegen den Markenmissbrauch vorzugehen.
  3. Den meisten Verbrauchern ist nicht bewusst, dass sie gefälschte Produkte kaufen und dass diese die Sicherheitsstandards nicht einhalten.

Sicherheit ist die oberste Priorität der Spielzeugindustrie

Steve Pasierb, Präsident und CEO der Toy Association macht deutlich: „Jedes Kind, das von einem Spielzeug verletzt wurde, ist ein Kind zu viel. Gefälschte Produkte verletzen Gesetze und riskieren Leben. Sie sollten niemals in den Handel kommen.“

Doch leider werden Plagiate heute auf vielen bekannten Online-Marktplätzen angeboten und auch mit Erfolg verkauft, da die Verbraucher die große Auswahl an Qualitätsspielzeug von namhaften Marken und die günstigen Preise im Onlinehandel schätzen. Damit das Onlineshoppen von Spielzeug sicherer wird, muss der gefährliche Markenmissbrauch energisch bekämpft werden. Dazu ruft die US-amerikanische Spielzeugindustrie die Betreiber von Online-Marktplätzen, die Regierung und alle anderen Interessengruppen zur Zusammenarbeit auf. Gemeinsam wollen sie dieses Problem effektiv und schnell lösen, bevor ein weiteres Kind in Lebensgefahr gerät.

Lösungen im Kampf gegen die Produktpiraterie

Folgende Lösungen schlägt die Toy Association für die drei oben genannten Faktoren vor:

1.    Proaktive Überprüfung von Verkäufern und Produkten durch die Marktplätze

Verkäufer sollten gescreent und verifizierte Kontaktinformationen gesammelt werden. So könnte die Authentizität der Verkäufer belegt werden. Zudem sollen die Verkäufer verpflichtet werden, die Legitimität und Sicherheit ihrer Produkte nachzuweisen.

2.    Schutzprogramme für die Markeninhaber

Die Online-Marktplätze sollten mit Branchenorganisationen und Markeninhabern zusammenarbeiten und Programme zum Markenschutz entwickeln. Diese Programme sollen es den Markeninhabern erleichtern, gegen Produktpiraten anzukämpfen und ihre Rechte durchzusetzen. Ein direkter Ansprechpartner in Sachen Markenschutz, Schulungen und mehr Transparenz werden von den Markplätzen gefordert.

3.    Aufklärung der Verbraucher über die Risiken des Onlinekaufs

Verbraucher müssen bzgl. des Themas Produktfälschungen sensibilisiert werden. Um ihnen mehr Sicherheit zu geben, könnten „offizielle“ Produktlistungen von Markenherstellern oder „verifizierte“ Stempel helfen. Beides könnte echte Markenprodukte auszeichnen und damit für mehr Klarheit beim Einkauf sorgen.

Beachten Sie hierzu unseren Artikel über das Münchner Startup authorized.by, das genau ein solches Echtheits-Siegel anbietet.

Politische Lösungen für den Handel von Spielzeug

Das Whitepaper bietet auch erste politische Lösungen für d Problem, wie z.B. die Änderung des Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Danach sind für alle auf Online-Marktplätzen verkauften Spielzeuge Sicherheitsbescheinigungen erforderlich. Zusätzlich soll die Kontrolle von Sendungen durch den Zoll und den Grenzschutz (CBP) verbessert werden.

Insgesamt soll das Whitepaper der Toy Association das Bewusstsein für die Risiken der gefälschten Produkte schärfen und gleichzeitig umsetzbare Lösungen anbieten. Zudem soll es laufend aktualisiert werden. Bei künftigen Überarbeitungen sollen Erfahrungen von Mitgliedern und Verbrauchern, Ergebnisse der Zusammenarbeit mit Marktplätzen und neue Richtlinien berücksichtigt werden.

Lutz Berneke
Group CEO bei EBRAND Services S.A.
Lutz Berneke ist Group CEO der EBRAND Services Unternehmensgruppe, mit Hauptsitz in Luxemburg.