Produktfälschungen: die neue Rolle der indonesischen Marktplätze

Von 1. Dezember 2020Produktpiraterie

Unter den Online-Marktplätzen scheint sich ein neuer berüchtigter Marktführer im Bereich von angebotenen Produktfälschungen herauszubilden. Die indonesische Plattform Tokopedia, soll beim Verkauf von illegalen Modeartikeln Alibaba den Rang abgelaufen haben. Während die größten Mengen an produzierten und verkauften gefälschten Waren nach wie vor auf chinesischen E-Shops vertrieben werden, sollten sich Markeninhaber auch in anderen Ländern desselben Problems bewusst sein.

Tokopedia wurde 2009 gegründet und verfolgt die Mission, den Handel auf technologischer Basis voran zu treiben, da sich der größte Teil des indonesischen Handels auf große Städte konzentriert, in denen die Verbraucher, die kleinere Inseln bewohnen, nur begrenzten Zugang zu Konsumgütern haben. Mit der viertgrößten Bevölkerung der Welt wird Indonesien auf aufgrund der billigen Arbeitskräfte ebenfalls zu einem beliebten Standort für Fabriken, die gefälschte Waren produzieren. Da Indonesien als Entwicklungsland gilt, gilt dies auch für seine Wirtschaft und die Kaufkraft seiner Bevölkerung, die sich echte Designermarken und Luxusartikel nicht leisten kann und deshalb auf Fälschungen zurückgreift.

Seit seinen Anfängen erhält Tokopedia großzügige Gelder von privaten Investitionsgruppen und globalen Risikokapitalgebern, zuletzt in Höhe von 2,2 Milliarden Dollar vom chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba. Es wird auch erwartet, dass das Unternehmen weitere Mittel von Temasek Holdings (staatliches Unternehmen in Singapur) und Google erhält.

Tokopedia erleichtert nicht nur das Einkaufserlebnis, sondern weitet sein Angebot auch auf Fintech-, Zahlungs-, Logistik- und Webstore-Partnerschaften aus. Der Online-Marktplatz von Tokopedia basiert auf der Idee des nutzergenerierten Inhalts, was bedeutet, dass jedes auf Tokopedia verfügbare Produkt, von unabhängigen Nutzern hochgeladen und verkauft wird. Die Nutzung des Dienstes ist kostenlos, und jeder kann innerhalb weniger Minuten einen Online-Shop eröffnen. Dies eröffnet illegalen Verkäufern und Scheinhändlern Tür und Tor.

In der 2019 vom Office of the United States Trade Representative verfassten Review of Notorious Markets for Counterfeiting and Piracy heißt es, dass eine große Anzahl von gefälschten Produkten, wie Modeartikeln, Kosmetika und Accessoires bis hin zu Lehrbüchern, von denen einige offen auf der Plattform verkauft werden, regelmäßig von den Markeninhabern gemeldet werden. Die rechtliche Verfolgung erweist sich jedoch aufgrund unklarer Meldeverfahren und überhöhter Anforderungen an die erforderlichen Dokumente, als problematisch. Darüber hinaus scheinen die Verwalter von Tokopedia wenig Sorgfalt darauf zu verwenden, Wiederholungstäter zu blockieren, von denen einige angeblich bereits seit mehr als sieben Jahren auf dem Markt aktiv sind.

Der Handel mit Fälschungen ist nicht der einzige problematische Aspekt von Tokopedia. Im März 2020 erlitt die Plattform einen Cyberattacke, von dem 91 Millionen Benutzer (fast 100% der Tokopedia-Kunden) betroffen waren, da ihre persönlichen Daten gestohlen und im Darknet zum Verkauf angeboten wurden. Einige Monate später erschienen die gestohlenen Informationen auf Facebook, wo sie, von Jedermann, kostenlos heruntergeladen werden konnten. Obwohl das Management der Plattform versicherte, dass Passwörter und Zahlungsdetails dank der angewandten Verschlüsselungsmethoden sicher blieben, ist klar, dass Tokopedia keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Daten seiner Kunden implementiert hat. Infolgedessen sah sich Tokopedia mit einem Gerichtsverfahren konfrontiert, das von der indonesischen Verbrauchergemeinschaft initiiert wurde.

Laut Tokopedia wird die Plattform monatlich von über 100 Millionen Menschen genutzt, darunter fast 10 Millionen Händler. Aufgrund der Tatsache, dass die Plattform auf der Grundlage von nutzergenerierten Inhalten funktioniert, übernimmt Tokopedia keine direkte Verantwortung für rechtsverletzende Inhalte. Obwohl der Marktplatz Möglichkeiten zur Meldung von Markenrechtsverletzungen bietet, ist es eigentlich unmöglich, die entsprechenden Schaltflächen und Links zu finden, über die ein betroffenes Produkt gemeldet werden kann.

EBRAND hilft bei der Aufdeckung von Fälschungen, nicht autorisierten Verkäufern und Markenmissbrauch Ihrer Markenprodukte. Unsere innovative Plattform spürt rechtsverletzende Inhalte auf und berechnet das Risiko, die diese für Ihre Marke darstellen. Wir überwachen die beliebtesten Marktplätze, einschließlich Tokopedia, auf der Suche nach Produktpiraterie, und unser juristisches Expertenteam befolgt die für jeden Marktplatz die spezifischen Verfahren zur Durchsetzung Ihrer Markenrechte. Wenn Sie daran interessiert sind, Ihre Marke mit automatisierten, intuitiven und zeitsparenden Lösungen vor Fälschungen zu schützen, zögern Sie nicht, unsere Spezialisten zu kontaktieren.

Alexander Waegner
Managing Director bei EBRAND Services S.A.
EBRAND Services AG, Munich
Austria, Germany, Switzerland (German), UK